
Zweihundert Stimmen, eine Welle.
Am 1. Februar 1997 ging in Darmstadt ein Radio auf Sendung. Und dann hat es einfach nicht mehr aufgehört. Seitdem läuft es, Tag und Nacht, ohne eine einzige Unterbrechung. Funkstille kennt man dort nur vom Hörensagen.

Radio Darmstadt, kurz RadaR, ist ein nichtkommerzielles Lokalradio und gehört einem Verein. Über zweihundert Ehrenamtliche machen dort Programm, die Seite nennt sie selbst „radioaktive Menschen“. Zu hören sind sie auf UKW, über DAB+ in ganz Südhessen und im Netz.
Und was sie senden, passt in keine Schublade. Rund 130 Sendereihen stehen im Programm: Lokalpolitik und Kabarett, eine Stunde nur über Bob Dylan, eine Klassische Kochshow, Sendungen auf Polnisch, Persisch, Singhalesisch und Dari. Wer das alles auf einer Website unterbringen will, braucht mehr als ein hübsches Theme.
Zum dreißigsten Geburtstag des Vereins sollte die Seite neu werden, komplett und von Grund auf. Und da kamen wir ins Spiel.

Bitte nicht alle durcheinander
Ein Verein mit zweihundert Leuten hat mindestens zweihundert Meinungen. Das ist kein Mangel, das ist der Sinn der Sache. Für eine Website ist es trotzdem eine Herausforderung, denn am Ende gibt es nur eine Startseite.
Also haben wir getan, was beim Radio jeden Tag passiert: moderiert. Zugehört, nachgefragt, sortiert, entschieden. Grundlage war ein Eckdatenpapier, das der Verein selbst geschrieben hatte. Daraus wurden Struktur, Inhaltstypen und eine Rechtevergabe, bei der jede Redaktion ihre eigene Sendereihe pflegt, ohne dabei der Nachbarsendung ins Programm zu funken.

Das Programm kommt von selbst
Ein Radio hat schon einen Sendeplan, und zwar einen sehr genauen: den in der Sendeautomation. Den noch einmal von Hand in eine Website zu tippen, wäre doppelte Arbeit und dreifache Fehlerquelle.
Deshalb liest die Seite ihn einfach mit. Der Wochenplan füllt sich von allein und markiert, was gerade on air ist. Der Player im Kopf der Seite spielt den Livestream und weiß dabei, welche Sendung läuft und welche als Nächstes kommt. Aber er weiß noch mehr: Ist eine Sendung schon gelaufen, sucht die Seite in der Mediathek nach der passenden Aufnahme und stellt sie direkt zum Nachhören daneben.

Bunt ist hier Programm
Das Logo von RadaR ist ein Regenbogen, und der Verein meint das ernst. Ein gedecktes Farbschema in Grau und Hellblau wäre an diesem Sender glatt vorbeigegangen. Also haben wir aufgedreht: Pink, Grün, Gelb und Rot auf viel Schwarz, große Flächen, kräftige Schrift.
Damit das nicht nach Kirmes aussieht, hält ein strenges Raster alles zusammen. Jede Farbe hat ihren Platz, jede Fläche ihre Aufgabe. Laut. Klar. Schick. Und die Mediathek, die auf einem eigenen System läuft, bekommt Kopf und Fuß der Seite automatisch mitgeliefert. So sieht sie aus wie der Rest, auch wenn sich am Rest etwas ändert.
Zweihundert Stimmen, eine Welle. Die Website ist neu, das Programm läuft weiter. Funkstille gibt es in Darmstadt auch künftig nur vom Hörensagen.
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