
Found in Translation
In „Lost in Translation“ redet ein Regisseur lange und leidenschaftlich auf Japanisch. Die Dolmetscherin macht daraus einen einzigen kurzen Satz. Und Bill Murray ahnt, dass ihm gerade etwas Wesentliches entgeht.

Im Übersetzungsbüro Tevetoğlu geht so etwas nicht verloren. Seit 1966 bringt Sinan Tevetoğlu Deutsche und Türken einander näher, zuerst als Nebenjob zum Bauingenieurstudium an der TH Darmstadt, seit 1986 mit eigenem Büro nahe dem Marktplatz. Heute arbeiten mehr als 300 freie Übersetzerinnen und Übersetzer mit, fast alle Muttersprachler. Sie übersetzen aus und in rund hundert Sprachen, von A wie Albanisch bis Z wie Zaza. Beglaubigt, wenn es sein muss.
Nur auf dem Weg ins Büro ging regelmäßig etwas verloren. Eine Mail fragte: „Was kostet die Übersetzung meiner Urkunde?“ Welche Urkunde? In welche Sprache? Beglaubigt oder nicht? Bis wann? Jede Antwort brauchte eine eigene Mail, und manche kam nie. Und da kamen wir ins Spiel.

Erst fragen, dann rechnen
Das Büro hat uns genau gesagt, was es für ein Angebot braucht. Wir haben daraus ein Formular gebaut, das all das wissen will, bevor jemand auf Abschicken drückt: Ausgangs- und Zielsprache, Anzahl der Ausfertigungen, beglaubigt oder nicht, für wen die Übersetzung gedacht ist und bis wann sie fertig sein muss. Pflicht ist auch das Dokument selbst. Denn ohne den Text kann niemand sagen, wie viel Arbeit darin steckt.
Sogar der Name hat eine Vorgabe: lateinische Schrift. Wer sonst Kyrillisch oder Arabisch schreibt, ist hier genau richtig. Aber das Angebot soll an einen Namen gehen, den im Büro jeder abtippen kann.

Rechnen statt rückfragen
Was so ankommt, ist kein loser Gesprächsfaden mehr, sondern eine vollständige Kalkulationsgrundlage. Das Büro rechnet direkt aus den Formulardaten und schickt das Angebot. Kein Hin und Her. Kein Nachhaken. Keine Mail, die irgendwo liegen bleibt.
Neben dem Formular steht in sechs Schritten, was danach passiert: Angebot per Mail, bei Beglaubigungen das Original vorlegen, bezahlen per EC-Karte oder Überweisung, und am Ende ein Anruf, dass alles fertig ist. Wer das gelesen hat, ruft nicht mehr an, um zu fragen, wie es weitergeht. Und weil man ein Dokument heute eher mit dem Handy fotografiert als einscannt, klappt das Ganze auch auf dem kleinen Bildschirm.

Fünfzig Jahre mit Gesicht
Drumherum ist die Website bewusst ruhig. Bordeauxrot, viel Weiß, zwei Leistungen: Übersetzen und Dolmetschen. Unter „Über uns“ steht die Geschichte des Büros, vom studentischen Nebenjob bis zur Prüfungskommission. Und darunter das Team, vom Gründer bis zu den Spezialaufgaben. So kennt man die Leute schon, bevor man zum ersten Mal in der Ludwigstraße klingelt.
Bill Murray hätte sich hier wohlgefühlt. Bei Tevetoğlu geht beim Übersetzen nichts verloren, und beim Anfragen inzwischen auch nicht mehr. Found in Translation.
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